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Atemwegserkrankungen bei Schweinen: Zusammenspiel von verschiedenen Faktoren

Atemwegserkrankungen gehören zu den häufigsten Gesundheitsproblemen in der Schweinehaltung. Sie treten in nahezu allen Produktionsstufen auf und stellen Betriebe sowohl aus tiergesundheitlicher als auch aus wirtschaftlicher Sicht vor grosse Herausforderungen.

SYMPTOME UND WIRTSCHAFTLICHE AUSWIRKUNGEN

Typische Anzeichen von Atemwegserkrankungen sind Husten, Niesen, Nasenausfluss, Fieber und eine verminderte Futteraufnahme. In schweren Fällen kann es zu Atemnot und Leistungseinbrüchen kommen. Besonders problematisch sind subklinische Verläufe, bei denen die Tiere äusserlich kaum krank wirken, jedoch verminderte Leistungen zeigen. Befunde im Schlachtprotokoll, insbesondere Lungen- und Brustfellentzündungen, können einen Hinweis auf subklinische Atemwegserkrankungen sein.

 

Die wirtschaftlichen Folgen sind erheblich: verlängerte Mastdauer durch verminderte Futteraufnahme und schlechtere Futterverwertung, erhöhte Behandlungskosten und eine höhere Verlustrate sowie vermehrte Beanstandungen bei der Schlachtung.

 

GEZIELTE DIAGNOSTIK UND PRÄVENTION

Sind auffällige Symptome in einem Bestand sichtbar, muss schnell reagiert werden. Durch das Optimieren von negativen Faktoren kann das Ansteckungsrisiko gesenkt werden. Treten Atemwegserkrankungen häufiger auf, braucht es eine fundierte Diagnostik. Diese bildet die Grundlage für eine erfolgreiche Bekämpfung von Atemwegserkrankungen. Klinische Beobachtungen sollten durch Laboruntersuchungen ergänzt werden, um die beteiligten Erreger sicher zu identifizieren. Auf dieser Basis lassen sich Impfprogramme und Behandlungsstrategien gezielt an den Betrieb anpassen. Impfungen stellen einen wichtigen Baustein der Prävention dar. Sie können Krankheitsausbrüche abschwächen und auch die Erregerausscheidung reduzieren, wodurch das Ansteckungsrisiko massiv abnimmt. Weitere entscheidende Vorbeugungsmassnahmen betreffen insbesondere nicht-infektiöse Faktoren.

VERSCHIEDENE FAKTOREN SPIELEN EINE ROLLE

In den meisten Fällen handelt es sich bei Atemwegserkrankungen nicht um eine Infektion mit einem einzelnen Erreger, sondern um ein multifaktorielles Geschehen. Verschiedene Krankheitserreger wirken gemeinsam mit ungünstigen Umwelt- und Managementbedingungen. Nicht-infektiöse Faktoren spielen eine entscheidende Rolle als Wegbereiter für Erreger. So können einerseits schlechte Haltungsbedingungen die Tiere unter Stress setzen und dadurch das Immunsystem schwächen. Andererseits können gewisse Faktoren die körperliche Abwehr der Tiere direkt negativ beeinflussen.

 

Die infektiösen Faktoren, die Erreger, schädigen die Schleim häute der Atemwege und schwächen die lokale Abwehr. Dadurch wird der Weg für weitere Infektionen geebnet, was oft zu lang anhaltenden oder wiederkehrenden Krankheitsverläufen führt. Damit Atemwegserkrankungen vorgebeugt werden kann, müssen verschiedene Faktoren bekannt sein und beachtet werden:

 

Nicht-infektiöse Faktoren

HALTUNG & HYGIENE 

Überbelegte Buchten, Neugruppierungen, fehlende Beschäftigung und Transportstress sind belastend für die Schweine. Insbesondere Neugruppierungen wirken sich negativ aus, da der Austausch von Erregern möglich ist. Ein umfangreiches Hygienemanagement ist notwendig, damit der Keimdruck im Stall nicht zu hoch wird. Zudem ist eine ausreichende Kolostrumversorgung der Ferkel zentral.

FÜTTERUNG

Eine optimale Versorgung stärkt den Körper und die Abwehrkräfte. Zudem müssen die Anzahl Fressplätze sowie das Fütterungsregime so abgestimmt sein, dass die Futteraufnahme möglichst stressfrei ist. Besonders wichtig ist auch die Wasserversorgung. Dazu braucht es eine ausreichende Anzahl Tränken mit genügend Durchfluss und einwandfreier Wasserqualität.

STALLKLIMA

Das Stallklima hat einen sehr grossen Einfluss auf die Gesundheit der Atemwege. So zum Beispiel, wenn Schadgase vorhanden sind. Diese greifen die Schleimhaut des Atemtrakts an, wodurch sich Bakterien ansiedeln können. Weiter müssen Luftgeschwindigkeit, Temperatur und Luft feuchtigkeit beachtet werden. Ist das Lüftungssystem nicht korrekt eingestellt, kann dies zu massivem Stress und zu einer Schwächung des Immunsystems führen.

 

Infektiöse Faktoren

BAKTERIEN

Die Glässersche Krankheit, auch Transportkrankheit genannt, gehört zu den häufigsten bakte riell verursachten Atemwegserkrankungen, ausgelöst durch das Bakterium Hämophilus parasuis (HPS). Bei Husten im Stall muss aber immer auch an die Enzootische Pneumonie (EP) oder an die Actinobacillose (APP) gedacht werden. Beide werden verursacht durch Bakterien und sind zu bekämpfende Tierseuchen. Die Progressive Rhinitis atrophicans (pRA), auch Schnüffelkrankheit genannt, muss bei Verdacht dem Schweinegesundheitsdienst gemeldet werden.

PARASITEN

Parasiten, in den meisten Fällen der Spulwurm (Ascaris suum), gelangen im Laufe ihrer Entwicklung auch in die Lunge. Dort zerstören sie das Gewebe. Dadurch sind sie Wegbereiter für bakterielle Infektionen. Eine regelmässige Entwurmung ist somit auch eine präventive Massnahme für Atemwegserkrankungen.

VIREN

Häufig in den Ställen anzutreffen sind Erkrankungen, die durch Influenzaviren ausgelöst werden. Diese sind in vielen Fällen hochansteckend und gehen auch auf den Menschen über. Dasselbe gilt für die Circoviren-Erkrankung, der in vielen Beständen durch Impfungen vorgebeugt wird. Das Porcine reproduktive und respiratorische Syndrom (PRRS) wird durch das gleichnamige Virus ausgelöst und gilt als auszurottende Seuche. Die Schweiz ist amtlich anerkannt frei davon.

 

IMMUNSYSTEM ALS SCHLÜSSEL

Bei der Prävention von Atemwegserkrankungen ist ein widerstandskräftiges Immunsystem in den meisten Fällen der Schlüssel zum Erfolg. Somit braucht es einen ganzheitlichen Ansatz für eine nachhaltige Verbesserung der Tiergesundheit. Davon profitieren nicht nur die Schweine, sondern auch die Wirtschaftlichkeit des Betriebs. Gerne unterstützen wir Sie und Ihre Tiere dabei!

 

Autor: Ursula Zehnder

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